Wie wird Cachaça hergestellt? Der Herstellungsprozess einfach erklärt.
Cachaça ist eine der traditionsreichsten Spirituosen Brasiliens. Doch obwohl sie weltweit bekannt ist, wissen viele Menschen nicht genau, wie sie eigentlich hergestellt wird.
Ist Cachaça einfach nur fermentierter Zuckerrohrsaft?
Was unterscheidet handwerkliche Produktion von industrieller Herstellung?
Und warum beeinflusst jeder einzelne Schritt den späteren Geschmack?
In diesem Artikel erklären wir den gesamten Herstellungsprozess von Cachaça – vom Zuckerrohrfeld bis zur Abfüllung – klar, verständlich und ohne unnötige Fachbegriffe.
1. Zuckerrohr: Der Ausgangspunkt jeder Cachaça
Alles beginnt mit Zuckerrohr.
Im Gegensatz zu vielen Rum-Sorten wird Cachaça nicht aus Melasse, sondern ausschließlich aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt. Das Zuckerrohr wird geerntet und möglichst schnell verarbeitet, um Oxidation und Qualitätsverlust zu vermeiden.

Die Frische spielt eine entscheidende Rolle. Je schneller das Zuckerrohr nach der Ernte gepresst wird, desto sauberer und aromatischer ist der gewonnene Saft.
Warum ist das wichtig?
Frischer Zuckerrohrsaft enthält natürliche Aromen, die später im Destillat spürbar bleiben. Genau hier entsteht der typische frische und leicht pflanzliche Charakter der Cachaça.
2. Pressen und Filtern: Vom Rohr zum Saft
Nach der Ernte wird das Zuckerrohr mechanisch gepresst. Dabei entsteht ein süßer, grüner Saft.

Dieser Saft wird anschließend gefiltert, um feste Bestandteile zu entfernen. In handwerklichen Brennereien geschieht dies oft schonend und in kleinen Chargen.
In industriellen Anlagen hingegen wird der Prozess stark automatisiert, um große Mengen in kurzer Zeit zu verarbeiten.
Der Unterschied liegt hier weniger im Prinzip, sondern im Umgang mit dem Rohstoff. Kleinere Betriebe können Qualität besser kontrollieren und selektieren.
3. Fermentation: Wie Zucker zu Alkohol wird
Nun beginnt die Gärung.
Dem Zuckerrohrsaft werden Hefen hinzugefügt. Diese wandeln den enthaltenen Zucker in Alkohol um. Die Fermentation dauert meist zwischen 24 und 48 Stunden.
Mehrere Faktoren beeinflussen diesen Prozess:
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Temperatur
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Dauer
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Hefestamm
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Hygiene
Eine kontrollierte Fermentation sorgt für saubere Aromen. Fehler in dieser Phase können später nicht mehr vollständig korrigiert werden.
Am Ende entsteht ein sogenannter Zuckerrohrwein mit einem Alkoholgehalt von etwa 7–10 %.
4. Destillation: Der entscheidende Qualitätsschritt
Die Destillation ist der zentrale Moment der Cachaça-Herstellung.
Hier wird der vergorene Zuckerrohrwein erhitzt. Alkohol verdampft bei niedrigerer Temperatur als Wasser und wird aufgefangen.
Besonders bei Cachaça de Alambique erfolgt dieser Schritt in traditionellen Kupferbrennblasen (Pot Stills).
Während der Destillation werden drei Phasen unterschieden:
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Vorlauf
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Herzstück
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Nachlauf

Nur das Herzstück wird für hochwertige Cachaça verwendet. Es enthält die reinsten und aromatisch ausgewogensten Bestandteile.
Industrielle Produktion kann stattdessen Kolonnenanlagen nutzen, die größere Mengen effizienter verarbeiten. Handwerkliche Brennereien setzen jedoch auf präzise Schnittführung, um Qualität statt Quantität zu priorisieren.
Warum Kupfer eine Rolle spielt
Kupfer reagiert mit bestimmten Verbindungen während der Destillation. Dadurch werden unerwünschte Schwefelverbindungen reduziert.
Das Ergebnis ist ein weicheres, klareres Destillat mit besserer Struktur.
Deshalb ist die Wahl der Destillationsmethode ein entscheidender Qualitätsfaktor.
5. Ruhephase und Lagerung
Nach der Destillation ist Cachaça grundsätzlich fertig. Dennoch folgt meist eine Ruhephase.
Die Spirituose wird entweder in Edelstahltanks gelagert oder in Holzfässer gefüllt.
Weiße Cachaça
Wird in Edelstahl gelagert, um ihre Frische zu bewahren. Sie bleibt klar und behält ihre lebendigen Zuckerrohraromen.
Gereifte Cachaça
Reift in Holzfässern. Dabei können neben Eiche auch brasilianische Holzarten verwendet werden. Diese verleihen zusätzliche Aromen wie:
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Vanille
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Gewürznoten
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leichte Süße
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weiche Holzstruktur
Die Reifung beeinflusst nicht nur Geschmack, sondern auch Farbe und Textur.

6. Abfüllung und Qualitätskontrolle
Vor der Abfüllung wird Cachaça gefiltert und auf den gewünschten Alkoholgehalt eingestellt. In Brasilien liegt dieser gesetzlich zwischen 38 % und 48 % Vol.
Qualitätsorientierte Produzenten kontrollieren:
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Alkoholgehalt
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Klarheit
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Aromabalance
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sensorische Eigenschaften
Handwerkliche Produktion bedeutet hier nicht Unkontrolliertheit, sondern bewusste, manuelle Kontrolle jedes Schrittes.
Handwerklich vs. industriell: Wo liegt der Unterschied?
Der grundsätzliche Prozess ist derselbe. Der Unterschied liegt im Detail:
Industriell:
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große Mengen
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standardisierte Prozesse
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Fokus auf Effizienz
Handwerklich:
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kleine Chargen
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präzise Schnittführung
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stärkere Kontrolle
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mehr Einfluss auf das Aromaprofil
Beide Methoden erzeugen Cachaça. Doch handwerkliche Herstellung ermöglicht mehr Individualität.
Fazit: Ein klar strukturierter Prozess mit eigener Identität
Die Herstellung von Cachaça folgt einem klar definierten Ablauf:
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Ernte des Zuckerrohrs
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Pressen und Filtern
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Fermentation
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Destillation
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Lagerung
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Abfüllung
Der entscheidende Unterschied zu anderen Zuckerrohr-Destillaten liegt im frischen Zuckerrohrsaft und in der traditionellen Destillation.
Cachaça ist kein Nebenprodukt der Zuckerindustrie, sondern eine eigenständige Spirituose mit klarer Herstellungsweise und jahrhundertealter Tradition.
Wer diesen Prozess versteht, erkennt, dass Cachaça weit mehr ist als nur eine Cocktailbasis – sie ist das Ergebnis präziser Handarbeit und bewusster Produktion.